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Die Macht der operanten Konditionierung: Wie Ihr Hund lernt

Aktualisiert: 7. Apr.

Verstehen, wie Ihr Hund lernt


Bei der operanten Konditionierung lernt Ihr Hund aus den unmittelbaren Folgen seines Verhaltens. Das Grundprinzip dieser Lernart lautet: „Die unmittelbaren Konsequenzen, die ein Verhalten hat, beeinflussen sein Auftauchen in der Zukunft.“ (Edward Thorndike, 1874-1949, „Law of Effect“). Jedes Verhalten hat die Funktion, Gutes zu bekommen und Schlechtes zu vermeiden. Durch operante Konditionierung erhöht oder erniedrigt sich also die Wahrscheinlichkeit, mit der Ihr Hund ein bestimmtes Verhalten zeigt, entweder generell oder – falls diese Folgen nur in einer bestimmten Situation auftauchen – bezogen auf diese Situation.


Belohnungen und Bestrafungen


Solche Konsequenzen können angenehmer oder unangenehmer Natur sein. Angenehme Konsequenzen nennt man Belohnung oder Verstärkung. Sie führen dazu, dass Ihr Hund das verstärkte Verhalten in Zukunft mit höherer Wahrscheinlichkeit ausführt. Unangenehme Konsequenzen hingegen nennt man Bestrafung. Eine Bestrafung führt dazu, dass die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass Ihr Hund das Verhalten in Zukunft in einer ähnlichen Situation wieder zeigt.


Die Grenzen des Lernens


Die Grenzen der Erhöhung des Lernerfolgs durch Steigerung der Konsequenzen sind da erreicht, wo sie so starken Stress auslösen, dass das Lernen blockiert wird. Es ist zwar eine gewisse Erregung nötig, um überhaupt lernen zu können, aber die Lernleistung wird bei allzu hoher Erregung wieder schlechter. Jede Lernaufgabe hat ihr passendes Erregungsniveau, bei dem sie besonders gut gelernt wird. Komplexe Aufgaben lernt man am besten bei mittlerer bis niedriger Erregung. Es kann also je nach Lernsituation sogar kontraproduktiv sein, Belohnungen zu verwenden, auf die Ihr Hund sehr gierig ist. Auch eine allzu harte Strafe kann Ihren Hund so stark stressen, dass der Lernerfolg eher gering ist.


Positive und negative Verstärkung


Sowohl Bestrafung als auch Belohnung kann man nochmals unterscheiden in „positiv“ und „negativ“. Die Begriffe „positiv“ und „negativ“ beschreiben dabei nicht die Gefühlslage Ihres Hundes, sondern sind eher wie mathematische Bezeichnungen zu betrachten. „Positiv“ bedeutet: etwas kommt dazu oder fängt an. „Negativ“ bedeutet: etwas wird weggenommen oder hört auf.


Eine Verstärkung des Verhaltens kann man demnach auf zwei Arten erreichen, nämlich durch:


  • Positive Verstärkung: Etwas Angenehmes kommt hinzu (z. B. Leckerchen fürs Hinsetzen). Das Verhalten wird verstärkt, das heißt, es wird in Zukunft öfter ausgeführt. Gefühl: Freude, Erfolg.


  • Negative Verstärkung: Etwas Unangenehmes hört auf (z. B. das Nachlassen von unangenehmem Druck auf die Kruppe, sobald der Hund sich hinsetzt). Das Verhalten wird verstärkt, das heißt, es wird in Zukunft öfter ausgeführt. Gefühl: Erleichterung.


Bestrafung verstehen


Bestrafung kann man ebenfalls auf zwei Arten erreichen, nämlich durch:


  • Positive Bestrafung: Etwas Unangenehmes kommt hinzu oder beginnt (z. B. Leinenruck, Schimpfen, wenn der Hund jemanden anspringt). Das Verhalten wird schwächer, das heißt, es wird in Zukunft seltener auftreten. Gefühl: Unbehagen, Angst, eventuell Schmerz.


  • Negative Bestrafung: Etwas Angenehmes hört auf (z. B. Entziehen von Aufmerksamkeit und Zuwendung, wenn der Hund anspringt). Das Verhalten wird schwächer, das heißt, es wird in Zukunft seltener auftreten. Gefühl: Frust, Enttäuschung.


Komplexität der Konsequenzen


Natürlich können auch mehrere Konsequenzen gleichzeitig wirken. Zum Beispiel, wenn Sie Ihren Hund durch Druck auf die Kruppe zum Sitzen bringen (= negative Verstärkung) und ihm dann, wenn er sitzt, ein Leckerchen geben (= positive Verstärkung). Oder wenn Sie einen Hund mit einem Leinenruck dafür bestrafen, dass er aus dem Platz aufsteht (= positive Bestrafung), kann dieser Ruck unter Umständen gleichzeitig der Anlass dafür sein, dass er sich erneut hinlegt (= negative Verstärkung). Zudem sind die Übergänge zwischen den vier möglichen Konsequenzen manchmal fließend.


Besonders die Unterscheidung zwischen positiver Bestrafung und negativer Verstärkung scheint zunächst schwer, weil beides mit denselben Mitteln (z. B. drohende Körpersprache, scharfe Stimme, Leinenruck, Zwang usw.) ausgeübt wird. Der Hauptunterschied liegt im Timing der unangenehmen Einwirkung. Bei der negativen Verstärkung dient die unangenehme Einwirkung dazu, Ihren Hund zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen. Sie setzt daher vor dem Verhalten ein und hört sofort auf, wenn Ihr Hund das gewünschte Verhalten zeigt. Bei der positiven Bestrafung beginnt die unangenehme Einwirkung dagegen erst, nachdem Ihr Hund ein bestimmtes Verhalten gezeigt hat. Sie soll dazu führen, dass sich Ihr Hund in Zukunft nicht mehr traut, es zu wiederholen.


Die Nützlichkeit des Begriffs


Obwohl eine genaue Einteilung also nicht immer möglich ist, ist das Begriffssystem der vier möglichen Konsequenzen dennoch nützlich. Denn jede dieser vier Arten, einen Hund zu beeinflussen, hat ihre Vor- und Nachteile und ganz bestimmte Anwendungsregeln, die eingehalten werden müssen. So lernt Ihr Hund auch wirklich das Beabsichtigte und es treten möglichst wenig unerwünschte Nebenwirkungen auf.


Burrhus Frederic Skinner (1904-1990) hat dieses Prinzip des Verhaltens und seiner Funktion weiter ausgebaut und erforscht. Positiv wie negativ verstärktes Verhalten wurde danach mehr gezeigt. Positive sowie negative Bestrafung führt dazu, dass das erwünschte Verhalten weniger gezeigt wurde.


Fazit: Positive Verstärkung als Schlüssel


Bei Pfoten-und-Mensch trainieren wir überwiegend im Bereich der positiven Verstärkung. Mit Ausnahme z. B. bei Artgenossenbegegnungen, wo wir uns gelegentlich beim Pendeltraining der negativen Verstärkung bedienen. Jegliche Art des strafenden Trainings lehnen wir ab.


Durch die richtige Anwendung von Belohnungen und Verstärkungen können Sie die Lebensqualität Ihres Hundes nachhaltig verbessern. Denken Sie daran, dass Ihr Hund ein fühlendes Wesen ist, das Ihre Unterstützung braucht. Nutzen Sie die Prinzipien der operanten Konditionierung, um eine starke Bindung zu Ihrem Hund aufzubauen und ihm ein glückliches Leben zu ermöglichen.

 
 
 

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